Erkundungen im Kreis
2026-09-24
2026-10-15

Aktuelle Informationen
zu den mobilen KunstORTEN
in der Pinneberger Innenstadt und Umgebung erscheinen hier, falls die Daten sich ändern oder aktualisiert werden.
auf www.kulturwerk-sh.de
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Instagram: @kulturwerk_sh

St_ART der Begegnung
Erkundungen im Kreis_ mobile KunstORTE_KUNSTPROJEKT N0.3

„Erkundungen im Kreis…“ – ein Performance Projekt, veranstaltet vom Kulturwerk SH  in Kooperation mit der Drostei.

Unscheinbare Orte des Alltags werden von vier KünstlerInnen inszeniert – sie laden ein, Orte der Empathie und Gemeinschaft zu bauen.

Unscheinbar wirken die Orte, die die KünstlerInnen für ihre Performances ausgewählt haben und doch sind die Themen, die sich mit der Bedeutung dieser Orte verbunden haben, aufgeladen mit wichtigen Themen des Zusammenlebens, die man an diesen Alltags-Orten nicht vermutet hätte. „mobile Ortserkundungen im Kreis“ heißt das vom Kulturwerk SH organisierte Kunstprojekt, das diesen Orten Aufmerksamkeit gibt und die Passanten ins Gespräch untereinander und mit den KünstlerInnen bringen möchte.

GAGEL

ART der Begegnung:
Faden Performance
DATUM:  Donnerstag, 24.9.2026, von 11 – 16 Uhr 

ORTE: an verschiedenen Orten in    
              der Pinneberger Innenstadt,
              angefangen auf dem Drostei-      
              platz unter den Bäumen

 

   BRIGITTA HÖPPNER

ART der Begegnung: Installation

DATUM: Freitag, 25.09.2026,
von 11 – 16 Uhr

ORTE:  1. Zauntor an der Seestrasse,
                   Halstenbek Krupunder
              2. Zaun/ Zauntor am
                   Seegrabenweg,
                   Halstenbek Krupunder, See
              3. Zaun/Zauntor am Lang-
                   koppelweg, Halstenbek

In dem Kunstprojekt „Erkundung im Kreis“
werden keine Orte aus Stein gebaut oder besucht – es werden Orte besucht, die aus Erfahrungen der Fürsorge und des Miteinanders gebaut sind.

                                                                           Cornelia Regelsberger, Kulturreferentin

FLORIAN HUBER

ART der Begegnung:
Stop and go Performance

DATUM: 10.10.2026
ORTE:     11 Uhr, Eingang Pinneberger
                                Fahlt, gegenüber der
                                S-Bahn Pinneberg
                  13 Uhr, Drostei Park

ANNE DINGKUHN

ART der Begegnung: Innen-Außen Performance

DATUM:      Anfang Oktober, wird durch die Wetterlage bestimmt.
ORT:                                                Dto.
ZEIT:                                                Dto.   

Aktuelle Informationen zum mobilen KunstORT im Kreis Pinneberg demnächst auf                                       www.kulturwerk-sh.de+
Instagram: @kulturwerk_sh

In der Zeit vom 24.09. bis Anfang Oktober 2026  finden im Kreisgebiet Kunstpräsentationen an ungewöhnlichen Orten statt. Unter dem Oberbegriff „Erkundungen im Kreis“ zeigen die KünstlerInnen Anne Dingkuhn, Gagel, Brigitta Höppner und Florian Huber ihre Kunst außerhalb von Museen und Galerien – an unscheinbaren Orten – die sie jeweils zum zentralen Thema ihrer Performances machen. Zwischen Rathausplatz und Wald, inmitten der Fußgängerzone in Pinneberg, am Zauntor in Halstenbek, oder auf einer Wiese im Kreis Pinneberg sind sie an den angegebenen Terminen und Zeiten zu sehen. Die KünstlerInnen haben diese Orte bewusst gewählt, um die Aufmerksamkeit auf Dinge zu lenken, die hier bedeutsam sind und im Alltag nicht erkannt werden. Den Passanten ermöglichen die Performances überraschende Momente von Begegnungen und Austausch sowie das Nachdenken darüber, wie sie den Ort bisher in seiner Unscheinbarkeit erlebt haben. Im Mittelpunkt der vier verschiedenen „Erkundungen im Kreis“ stehen ungewöhnliche Requisiten: ein Stickrahmen, ein Rucksack, eine stilisierte Menschengruppe sowie eine durch die Künstlerin begehbarere durchsichtige Luftblase. Themen sind: tragbare Orte, die Begrenzung eines Ortes mit Zäunen, die Fürsorge bei Verlust von Orten und ein menschengroßer, begehbarer Ballon der als Ort der Performance zugleich Abgeschiedenheit und Verbundenheit ausdrückt.

Wie aber lassen sich unscheinbare Alltagsorte,
an denen man ohne Beachtung vorüber geht, als andere und aufgeladen mit Bedeutung wahrnehmen? Wie kann man den Betrachtungswinkel verschieben? Die vier KünstlerInnen haben darauf sehr unterschiedliche Antworten und Anregungen gefunden.

Foto © Gagel

Auf einem goldenen Stuhl sitzt die Künstlerin GAGEL über einem Stickrahmen gebeugt in der Fußgängerzone von Pinneberg. Im Stickrahmen sind zerbombte Häuser eines Krieges auf  Satin Stoff zu sehen, die von der Künstlerin mit Goldfaden-Stickerei wieder „aufgebaut“ werden. Die Goldfadenzeichnungen zeigen die Spuren, die Traumata über Generationen wirken lassen. Gagel unternimmt eine unermüdliche, nicht endende Handlung des „Löcher Stopfens“ – eine Handlung der menschlichen Hilflosigkeit, die sowohl in jedem Krieg dieser Welt entsteht als auch in jedem Alltag, in dem Not herrscht. Zugleich ist es eine Geste der unbedingten Zugewandtheit, der Fürsorge und des Erinnerns an die verlorenen Menschen, die im Krieg getötet und an Lebensorte, die zerstört wurden. Sie erinnert an die Notwendigkeit von Solidarität und Zusammenhalt. Der Titel der Arbeit „reparieren statt parieren“ hat den Aufforderungscharakter hinzusehen und die Zerstörungen nicht zu vergessen. Die Künstlerin freut sich mit den Passanten ins Gespräch zu kommen, um die Hilflosigkeit und Trauer aber auch neue Ideen des Miteinanders teilen zu können.

Foto @ Brigitta Höppner

Die Künstlerin BRIGITTA HÖPPNER markiert für die Bevölkerung versperrte Wege mit stilisierten Menschengruppen, die sie an die verschlossenen Tore bindet, die vormals für Spaziergänge in der Natur geöffnet waren. Sie verweist mit der Installation auf Aussperrung und Abgrenzung von Menschen hin, verweist auf Ausschließung von Orten durch Zäune, die Besitz markieren. Sie fragt u.a. wie Reichtum entsteht und wie man in der Gesellschaft oder an der Grenze eines Landes von Besitz ausgeschlossen wird. Wer formt Gemeinschaft bzw. Gesellschaft mit diesen Begrenzungen? Der Zusammenschluss der Menschen zu Gruppen ist für die Künstlerin ein wichtiges Moment der Zeugenschaft, um auf gesellschaftliche Probleme gemeinschaftlich hinweisen zu können.

„betretenes Besitzen“, 2026

Foto © Florian Huber

FLORIAN HUBER  zieht mit einem Fluchtrucksack vom Pinneberger Fahlt, im Krisenfall ein möglicher Schutzort im Wald, bis zum Rathaus Pinneberg, der als offizieller Notfallpunkt im Katastrophenplan gekennzeichnet ist. Er reist mit wenigen Dingen. Im Gepäck sind – neben Ausweisen – Erinnerungen an Menschen und seine Lebenserfahrungen. Sein „tragbarer Ort“ bietet ihm Sicherheit auf seiner Reise – bietet diese Sicherheit auch der Wald oder der offizielle Treffpunkt am Rathaus? Für ihn wird der „Tragbare Ort“ zu einem „Inneren Ort“ der Sicherheit. Florian Huber freut sich – wie alle KünstlerInnen dieses Projektes – ins Gespräch und in den Austausch zu kommen. Welche „inneren Orte“ haben die Passanten, reicht ein Notfallrucksack und ist das Minimalgepäck nicht auch ein Hinweis auf eine Überflussgesellschaft, in der wir Dinge anhäufen, die uns eher beschweren und an Orte binden, die wir verlassen sollten?

Foto © pietchpictures.de

ANNE DINGKUHN fasziniert in ihrer Performance „innen – außen“, die inmitten der Natur stattfindet, mit einem durchsichtigen und zugleich von ihr begehbaren Ballon, in dem sie Beobachtungen der Außenwelt auf die Innenseite der Lufthaut zeichnet. Sie lässt mit ihren Zeichnungen die Passanten an ihrer Wahrnehmung teilhaben und macht zugleich auf die unterschiedlichen Wahrnehmungsstandorte der Passanten aufmerksam. Wahrnehmungen sind je nach Standort individuell und doch entstehen sie in einem gemeinsamen Raum und fordern zur genauen Wahrnehmung der jeweiligen Standorte und Wahrnehmungs-interessen auf. Zentrales Ziel ihrer filigranen Zeichenarbeit – ihres gesamten künstlerischen Werkes – ist die Dokumentation von nicht ökonomisierten Räumen in der Natur – diese zeichnet sie auf die Innenhaut des Ballons. Es sind poetisch wirkende Inszenierungen inmitten der Natur und tragen auch ein Stück Melancholie in sich mit den Fragen: Wie gehen wir mit der Natur um? Wie schützen wir sie? Sind wir nicht selbst Teil der Natur – nur durch eine dünne, verletzliche Haut von der Natur getrennt? Welche Wahrnehmungsstandort nehmen wir gegenüber der Natur ein?

Kunst hat in der Gegenwart die Aufgabe übernommen, die Wirklichkeit und das komplexe Wissen in die Gesellschaft zu vermitteln mit den ihr eigenen künstlerischen Mitteln: Kenntlich-machen, Wahrnehmung, Reflexion, Vermittlung – zugleich mit der Anregung zu Austausch und Diskussion. Das Projekt „Erkundungen im Kreis“ zeigt unbeachtete Orte und Themen, die zu vielfachen Diskussionen einladen. Es sind nicht-alltägliche Orte, die kurzen Momente der Aufmerksamkeit für etwas Neues und für neue Begegnungen schaffen. Es sind Momente, die durch uns selbst durch Empathie und Neugierde hervorgebracht werden und mit anderen Menschen geteilt werden können. 

In dem Kunstprojekt „Erkundung im Kreis“ werden keine Orte aus Stein gebaut oder besucht – es werden Orte besucht, die aus Erfahrungen der Fürsorge und des Miteinanders gebaut sind.  Es ist ein Netz der Verbundenheit, welches im täglichen Leben von vielen Menschen immer wieder neu gebaut wird als Orte der Vergewisserung und der Gemeinschaft. „Gemeinsam Netze der Aufmerksamkeit und Empathie bauen“, dazu ermutigten die Kunstaktionen der Künstler und Künstlerinnen.

Eine leise Kunst zeigt sich hier, die zugleich intensiv ist und Verunsicherungen sowie Veränderungsmöglichkeiten anspricht! Lassen Sie sich als Beobachtende mitnehmen in diese zarten, versöhnenden und zugleich eigenwilligen und unterhaltenden Kunststücke – die KünstlerInnen freuen sich auf Begegnungen, auf Fragen und auf einen Austausch. 

                                                                 Text:  Cornelia Regelsberger, Kulturreferentin

Das Projekt „Erkundungen im Kreis“ ist das dritte Kunstprojekt organisiert vom Kulturwerk SH zum Thema: künstlerische „Ortserkundungen“ in Kooperation mit der Drostei.  Bei den vorausgegangenen Projekten standen feste Ausstellungs-Orte im Mittelpunkt. Im ersten ZOLLhaus Projekt im Jahr 2023 wurde das ehemalige Zollamt in Pinneberg von 24 KünstlerInnen als Kunstpalast inszeniert. Sie zeigten das leerstehende Gebäude in seiner ehemaligen Funktion, als Ort bürokratischen, staatlichen Handelns. Im zweiten Projekt im Jahr 2024, wurde ein leerstehendes Wohngebäude der Jugendbegegnungsstätte in Barmstedt mit den Mitteln der Kunst zu einem Erinnerungsort für die vormaligen BewohnerInnen.